Photogrammetrische Verfahren waren bislang aufgrund ihrer Komplexität und der notwendigen kostspieligen Ausrüstung überwiegend Spezialisten vorbehalten und fanden nur in Einzelfällen im Grabungsalltag Anwendung. Seit kurzem sind jedoch Softwarelösungen verfügbar, die eine automatische dreidimensionale photogrammetrische Auswertung von Bildern auch handelsüblicher unkalibrierter (Digital-)Kameras gestatten. Eines dieser Programme ist das einfach zu bedienende und preis-günstige 'PhotoScan' der russischen Firma Agisoft LLC. Erste Praxiserfahrungen mit diesem Programm sollen hier vorgestellt werden. Der von Agisoft PhotoScan eingesetzte Rechenalgorithmus basiert – wie der einer Reihe vergleichbarer Programme – auf dem sogenannten Structure-from-Motion-Verfahren (SfM). Dabei werden von der Software im Überlappungsbereich verschiedener Bilder desselben Motivs Passpunkte ermittelt, aus deren unterschiedlicher Position in den einzelnen Bildern eine dreidimensionale Punktwolke errechnet wird. Diese kann dann verdichtet, vermascht und mit einer aus den Photos abgeleiteten Textur bekleidet werden. Über Kontrollpunkte mit bekannten Koordinaten kann das entstandene 3D-Modell orientiert und georeferenziert werden. Ein Export von Orthofotos und digitalen Oberflächenmodellen (DSM) ist problemlos möglich, diese können mit entsprechender CAD- oder GIS-Software in die digitale Grabungsdokumentation eingebunden werden. Bei der Structure-from-Motion-Photogrammetrie muss, im Gegensatz zu älteren photogrammetrischen Verfahren, die innere und äußere Orientierung der Kamera nicht bekannt sein – weder muss eine kalibrierte Messkammer verwendet werden, noch ist die Kenntnis der Kameraposition vonnöten. Dies führt zu erheblich vermindertem Aufwand bei der Feldarbeit, das benötigte Equipment ist auf jeder Ausgrabung bereits vorhanden und beschränkt sich auf eine Kamera und Vermessungsgerät für die Einmessung der Kontrollpunkte am Boden. Die Anwendung von Agisoft PhotoScan soll an ganz unterschiedlichen praktischen Beispielen aufgezeigt werden: Vorgestellt wird zunächst die Auswertung von Bildserien, die konventionell von der Leiter und von Hochstativen aus fotografiert wurden. Daneben liegt ein Schwerpunkt dieses Beitrags auf dem Zusammenspiel der SfM-Photogrammetrie mit Nahbereichsluftbildern. Als Kameraträger dienen je nach Anwendungszweck sowohl zugstarke Einleiner-Drachen als auch ferngesteuerte Flugdrohnen, sogenannte Multikopter, mit vier und sechs Rotoren. Die so erstellten ungeordneten Vertikalaufnahmen eignen sich hervorragend für eine Auswertung mittels der SfM-Photogrammetrie. Als weitere mögliche Bildquelle für die SfM-Anwendung werden schließlich gescannte Orthofotos regulärer Luftbildbefliegungen vorgestellt. Als Beispiel dient hier ein britischer Luftbildsurvey über dem westlichen Jordanien aus dem Jahr 1953. Das Bildmaterial zeigt die erfassten Fundstellen in einem im Vergleich zu heute deutlich weniger durch Erosion und Bulldozer beeinträchtigten Zustand. Mit Agisoft PhotoScan und vergleichbaren SfM-Programmen wird der Feldarchäologie ein Werkzeug an die Hand gegeben, das es erlaubt, mit einfachen "Bordmitteln" präzise Höhenmodelle und Orthofotos zu generieren, die die Qualität der Dokumentation erheblich verbessern und gleichzeitig geeignet sind, den Dokumentationsablauf entscheidend zu beschleunigen.